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Die Geschichte des Chores 

 

 1886-1986                                                    1986-2011

 

1886-1986

 

Die folgenden Ausführungen beruhen auf Informationen, die in der Festschrift zur Feier des 100- jährigen Bestehens im Jahre 1986 erschienen ist und die von Hans Frye auf der Basis von Vereinsprotokollen und Bildern zusammengestellt wurde.

Auf das Gründungsjahr 1886 gibt es lediglich einen Hinweis im Protokollbuch von 1922, in dem erwähnt wird, dass dem schon seit 1886 bestehenden Kirchenchor nun - im Jahre 1922 - der Name "Cäcilien Verein Rhede "gegeben werden solle. Aus dem glücklichen Umstand der Vereinsgründung ergibt sich für die Nachwelt die erfreuliche Tatsache, dass ab 1922 all das existiert, was zu einem Verein gehört, nämlich z. B.  die bereits erwähnten Protokollbücher, die Aufschluss über das Vereinsleben geben, indem sie über Jahreshauptversammlungen, Wahlen und damit verbundene Namen von Vorstandsmitgliedern, Jahresberichte und darin enthaltene Vereinsaktivitäten und vieles andere mehr informieren.

Der neugegründete Cäcilienverein war ein reiner Männerchor, der bei besonderen Anlässen durch den Knabenchor der Volksschule ergänzt wurde. Der Dirigent des Chores war auch sein Gründer: Albert Becker, der seit der Gründung im Jahre 1886 bis zu seinem Tode im Jahre 1928 den Chor leitete.  Voraussetzungen  zur Aufnahme in den Cäcilienverein waren die Zugehörigkeit zur katholischen Pfarrgemeinde, ein unbescholtener Ruf, eine gute Stimme sowie "Lust und Liebe für Kirchengesang", wie aus den Vereinsstatuten zu entnehmen ist. Wie heute noch ist der 1. Vorsitzende der Präses, also der Pfarrer, der 2. Vorsitzende ist in der Praxis aber der eigentliche Repräsentant des Chores. Der Cäcilienverein war also reine Männersache.

Ab dem Jahre 1937 änderte sich der oben beschriebene Zustand insofern, als man sich nun als ein gemischter Chor verstand. Für diese Öffnung des Chores für die Frauenstimmen gab wohl einerseits die Erkenntnis den Ausschlag, dass "dem gemischten Chor mit seinem schönen, vollen Klang die größere Wirkung zugesprochen werden muß", sowie andererseits das Einverständnis des Präses, Dechant Kreuzer. Die Mitgliedschaft der Frauen endete aber - und dies galt als ein ungeschriebenes Gesetz - mit ihrer Heirat. Das sollte sich erst circa dreißig Jahre später ändern. Über die Gründe dafür kann man in vielerlei Richtungen spekulieren; sicher liegt man nicht falsch, wenn man dabei an die klassische Rollenverteilung in der Ehe nachdenkt, die es den Frauen mit kleinen Kindern nicht erlaubte, einen regelmäßigen Probenabend zu besuchen, den dazugehörigen Männern jedoch sehr wohl diese Freizeit zugestand. Ganz abwegig ist es sicher auch nicht, das traditionelle Frauenbild in der vorkonziliaren Kirche als Hintergrund zu sehen, wo Frauen am meisten in der Kirche als Jungfrauen geschätzt wurden , z. B. als Ordensfrauen, wenn sie aber ihrer natürlichen Bestimmung als Mutter folgten, sollte dieses jedoch möglichst unsichtbar geschehen, besonders in der Schwangerschaft. In einer Kirche, in der Frauen bis in die sechziger Jahre unmittelbar nach der Geburt ein Reinigungsritual in Form eines Segens durchlaufen mussten, bevor sie wieder inmitten der Gemeinde an der Eucharistiefeier teilnehmen durften, war es anscheinend undenkbar, dass schwangere Chorsängerinnen möglicherweise im Altarraum anwesend waren.

Im Jahre 1952 änderte man den Namen "Cäcilien-Verein-Rhede" in "Kirchenchor St. Gudula Rhede".

Im Jahr 1962 wurde darüber beraten, ob verheiratete Frauen Mitglied werden oder auch bleiben könnten. Offensichtlich gab neben einem Mangel an Frauenstimmen - so sagen es die zur Chorgeschichte befragten älteren Chorsängerinnen - auch das Votum des damaligen Pfarrers Große-Schanze, es gebe nirgendwo die Vorschrift, dass Chorsängerinnen unverheiratet sein müssten, den Ausschlag. Man beschloss einstimmig, "von der harten Bedingung, den Chor durch Heirat verlassen zu müssen, Abstand zu nehmen."

Angesichts des 125jährigen Bestehens erhebt sich auch die Frage, wie denn neben dem 100jährigen Jubiläum, zu dem es noch eine Festschrift gibt, 1936 das 50jährige Bestehen gefeiert worden ist. Im Chorarchiv findet sich dazu folgende Notiz:" Das 50jährige Bestehen konnte nicht besonders gefeiert werden, da es nicht gelang, die dazu erforderlichen Vorbereitungen zu treffen". Die Gründe dafür bleiben der Nachwelt verborgen. Wenn man sich allerdings die Bemühungen des Chores während der Nazizeit vor Augen führt, sich der politisch erwünschten Eingliederung in den Deutschen Sängerbund zu entziehen bzw. den geforderten Eintritt auf die lange Bank zu schieben, könnte man den Verzicht auf eine öffentliche Jubiläumsfeier des Kirchenchores als eine politische Maßnahme deuten. Möglicherweise lautete die Strategie "Bloß nicht Aufsehen erregen", damit es keinem der Nazifunktionäre auffällt, dass der Kirchenchor St. Gudula seine Mitgliedschaft im Deutschen Sängerbund immer noch nicht erklärt hat. Im Übrigen hatte der Chor in den Jahren 1930-1940 Weihnachtskonzerte zugunsten der Winterhilfe gegeben und damit seinen sozialen Beitrag zum Wohle des Volkes geleistet.

Ein besonderer Blick auf die Geschicke des Chores während des Zweiten Weltkrieges ist deswegen von Interesse, weil sich in dieser Zeit besonders die Bedeutung des Chores für die einzelnen Mitglieder, aber auch das Angewiesensein auf einen Dirigenten zeigt. So wurde gleich zu Beginn des Krieges der Dirigent, Herr Wolf, eingezogen. Nach der Erinnerung einiger älterer Chormitglieder gab es eine letzte tränenreiche Chorprobe zum Abschied. Neben dem Dirigenten wurden auch mehrere Sänger eingezogen, so dass die Zahl der Männer im Chor schließlich auf zwölf sank und nur noch "Choral gesungen werden konnte".

Während des Krieges fanden ab 1941 auch keine Generalversammlungen mehr statt. In den Akten des Chores gibt es aus der damaligen Zeit noch Briefe von im Felde stehenden Chorsängern, die neben dem Dank für die Grüße und Liebesgaben aus dem heimatlichen Rhede auch Schilderungen der Sorgen und Hoffnungen der Frontsoldaten enthalten. Am Ende hatte der Chor fünf Tote zu beklagen, die durch Kriegseinwirkung gestorben waren. Aus der Kriegsgefangenschaft kehrten 1948 zwei Chorsänger wieder nach Rhede zurück, die beide nach kurzer Zeit ihren Platz im Chor wieder einnahmen.

Seinen Platz als Dirigent nahm auch Georg Wolf wieder ein bis 1947, als er nach Vardingholt versetzt wurde und daher die Dirigentenstelle aufgeben musste. Ihm folgte als Dirigent Alfred Durchleuchter, der das Amt bis 1949 innehatte. Ihm folgte Karl Litzinger, der das Amt bis 1961 ausübte. An ihn erinnern sich noch viele ältere Chorsängerinnen und Sänger, besonders daran, dass er mit dem Chor ein umfangreiches Repertoire an anspruchsvollen Werken erarbeitete. Nach der Abpfarrung der Kirchengemeinden "Zur Heiligen Familie" und "St. Pius" in Krechting war die Pfarrgemeinde St. Gudula so verkleinert, dass das Generalvikariat in Münster der Gudulagemeinde nur noch einen nebenamtlichen statt eines hauptamtlichen Chorleiters zugestand. Daraufhin wurde Karl Thöne angestellt, der seinen Dienst bis 1970 versah und durch dessen Beziehung zum Collegium musicum in Bocholt (er war dessen Leiter) viele Messen mit Orchesterbegleitung aufgeführt wurden.

Von 1971-1974 leitete den Chor übergangsweise Rolf Ziebolz, dem eine hohe fachliche Qualifikation bescheinigt wurde und der auch gleichzeitig den evangelischen Kirchenchor leitete, woraus sich freundschaftliche ökumenische Beziehungen zwischen den Chören entwickelten, die bis heute Bestand haben.

Von 1974-1992 war Josef Deitmer der nebenamtlich beschäftigte Chorleiter, dessen Amtszeit dadurch endete, dass der Kirchengemeinde St. Gudula nach dem Ausscheiden des Organisten nunmehr eine hauptamtliche Kirchenmusikerstelle zugebilligt wurde. Josef Deitmer hat wie jeder Chorleiter vor ihm dem Chor seinen persönlichen Stempel aufgedrückt, der darin bestand, dass er neben der Aufführung klassischer Werke auch die zeitgenössische Musik miteinbezog. Auch die von ihm regelmäßig durchgeführten "offenen Singen" sind noch vielen in guter Erinnerung. Unter Deitmers Leitung wurde auch das Festprogramm zum 100-jährigen Bestehen des Kirchenchores St. Gudula durchgeführt, das sowohl eine Festmesse, die Nicolai-Messe von Joseph Haydn, als auch ein nachmittägliches Festkonzert umfasste, u. a. mit Teilen aus dem "Dettinger Te Deum" von Georg Friedrich Händel, aus dem "Messias" vom selben Komponisten und aus der "Schöpfung" von Joseph Haydn. Viele Chormitglieder besitzen noch einen Mitschnitt dieser Aufführungen.

 

1986-2011

Nach dem Überblick über die Geschichte des Chores in den ersten hundert Jahren seines Bestehens soll nun das Augenmerk auf die vergangenen 25 Jahre gerichtet werden. Dabei wird sich ganz von selbst die Frage erheben nach dem, was sich von der Tradition erhalten hat, und dem, was sich zeitbedingt geändert hat.

War schon in der Vereinssatzung von 1922 der Hauptzweck des Chores in der "Pflege des Kirchengesanges, sowohl des Chorals als auch der mehrstimmigen Kirchengesänge" gesehen worden, so kann man für das vergangene Vierteljahrhundert feststellen, dass der Kirchengesang im Zentrum der Aktivitäten des Kirchenchores stand, was sicherlich auch dadurch bedingt war, dass der Dirigent in den vergangenen beiden Jahrzehnten überwiegend ein Kirchenmusiker mit einer hervorragenden Ausbildung, dem A-Examen, war. Daher war und blieb es für den Kirchenchor selbstverständlich, an den Hauptfesten des Kirchenjahres wie Weihnachten und Ostern, aber auch in der Karwoche und z. B. bei der Fronleichnamsprozession die feierliche Gottesdienstgestaltung durch mehrstimmigen Chorgesang zu unterstützen. Es scheint nicht vermessen zu sagen, dass wesentliche Ereignisse in der Pfarrgemeinde St. Gudula wie z. B. das 100-jährige Bestehen im Jahr 2001, die Orgelweihe der neuen Seifert-Orgel im Jahr 1998  oder die Festwoche anlässlich der Wiedereinweihung nach erfolgter Innenrenovierung der Pfarrkirche im vergangenen Jahr in besonderer Weise durch die musikalischen Aktivitäten des Chores ihre feierliche Gestalt bekamen. Zu diesen Anlässen erklangen festliche Messen mit Orchesterbegleitung: Mozarts Krönungsmesse zum 100-jährigen Jubiläum, die Viernemesse zur Orgelweihe und die Nelsonmesse von Haydn zur Wiedereinweihung der Pfarrkirche .Darüberhinaus wurde im Rahmen der Festwoche 2001 auch erstmalig ein Oratorium aufgeführt: "Die Schöpfung" von Haydn. Neben diesen musikalischen Höhepunkten gab es aber auch die vielen Goldhochzeiten in der Pfarrgemeinde, die vom Kirchenchor mitgestaltet wurden, die Kevelaer-Wallfahrt, bei der der Chor in der Marienbasilika im Pilgergottesdienst gesungen  hat, Maiandachten und Adventssingen, denen der Kirchenchor den musikalischen Rahmen gab, um nur einige Beispiele zu nennen. Selbstverständlich war der Chor auch bei den eigenen Chormitgliedern präsent, wenn es um Gottesdienste anlässlich von Hochzeiten oder Beerdigungen ging.

Die Hochzeiten bildeten seit jeher den Anlass, auch sogenanntes "weltliches" Liedgut zu singen. So bilden bestimmte Volkslieder den Grundstock eines jeden Ständchens, und es soll nicht nur ein Ständchen gegeben haben, bei dem die gesamte Nachbarschaft mit Wohlgefallen dem stimmgewaltigen Chorgesang gelauscht hat. Im vergangenen Jahrzehnt gab es nur ein einziges weltliches Konzert, am 14. Juni 2003, mit dem Polizeichor Essen. Dafür wurden recht anspruchsvolle romantische Lieder von Mendelssohn und Brahms einstudiert, als Kontrapunkt gab es noch den "Kleinen grünen Kaktus", der vom Schwierigkeitsgrad auch nicht ohne war. Auf diese Weise hatte der Dirigent den Beweis angetreten, dass es auch nicht per se einfacher ist, Volkslieder zu singen, und damit auch den eifrigen Befürwortern des weltlichen Liedgutes ein wenig den Wind aus den Segeln genommen. Tatsächlich ist festzustellen, dass in den vergangenen zwanzig Jahren die Beschäftigung mit Volksliedern oder auch Popsongs wie z. B. der Beatles- Klassiker "Yesterday" nur am Rande vorkam. Es gibt viele Chormitglieder, die das bedauern, besonders unter den Älteren. Andererseits gibt es auch Chormitglieder, die die Konzentration des Chores auf anspruchsvollen Kirchengesang sehr begrüßen, möglicherweise sogar deswegen dem Chor beigetreten sind. Letzten Endes bleibt festzustellen, dass gesamtgesellschaftliche Phänomene wie der Rückgang des Volksliedes als gemeinschaftliches Kulturgut auch vor dem Kirchenchor nicht Halt machen. Es bleibt zu wünschen, dass eine ebenfalls in den letzten Jahren festgestellte Renaissance des Singens sich auch für den Chor bemerkbar macht, insofern dass neue Sängerinnen und Sänger aus Freude am Singen hinzukommen, wie es in den vergangenen Jahren auch immer der Fall war.

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